Hast du etwas, was ich nicht habe?

Neid – und alles, was dazu gehört

In meinem letzten Podcast „Hast du genug?“ haben wir uns ein paar Aspekte der Beziehung von Jakob und Esau angesehen. Es ist einfach wunderbar, dass wir in der Bibel ehrliche Geschichten voller Rivalität, Liebe, Leidenschaft, Hass und Neid finden. Wir sehen, wie Menschen sich entwickeln, was zum Menschsein dazugehört und welche Rolle Gott und sein Wort dabei spielen.

Neid ist eine Sache, die in der Bibel oftmals erwähnt wird. Zum einen haben wir Gottes Wort, was ganz klar sagt: „Du sollst nicht begehren, alles, was deinem Nächsten gehört.“ Zum anderen haben wir aber auch viele Geschichten, wie schwer eben das uns Menschen fällt. Und da sind Jakob und Esau wahrlich keine Einzelfälle.

Es scheint unglaublich, aber Jakob, der als junger Mann unter dem Neid auf seinen Bruder gelitten hat, der die Liebe und den Segen seines Vaters ersehnte, macht denselben Fehler. Er bevorzugt einige Kinder und erschafft so eine Rivalität unter seinen temperamentvollen Söhnen, die zu einer wahren Tragödie führt.

Auch in der heutigen Beratung können wir beobachten, dass Menschen entweder die Fehler ihrer Vorfahren wiederholen oder eine bewusste Abkehr davon leben, weil sie wahrnehmen und ablehnen, was geschehen ist.

Jakob lebte in ständiger Rivalität zu seinem Zwillingsbruder. Das begann schon im Mutterleib.

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, lag ich lange im Krankenhaus. Für kurze Zeit teilte ich mir das Zimmer auch mit einer Frau, die Zwillinge erwartete. In der Bibel lesen wir, dass Rebekka in der Schwangerschaft regelrecht verzweifelt war und Gott um Rat fragte, warum es ihr so schlecht geht. Sicherlich betrifft das viele Frauen, und auch meine Schwangerschaften waren nicht immer einfach, aber bei Rebekka muss es etwas Aussergewöhnliches gewesen sein und als ich die werdende Zwillingsmama erlebte, bekam ich eine Ahnung davon. Sie hatte viele und große Schmerzen und litt wirklich. Bei einem Ultraschall wurde festgestellt, dass ihre inneren Organe durch die Tritte und Hiebe ihrer ungeborenen Kinder mit Hämatomen übersät waren. So ungefähr ging es Rebekka, die Kämpfe der kleinen Söhne machten ihr schon in der Schwangerschaft zu schaffen und es wurde nicht besser, als die beiden auf der Welt waren. Es gipfelt in Betrug und Lüge und die Familie wird dadurch entzweit. Es dauert mehr als 20 Jahre, bis eine Versöhnung, eine ruhige und friedliche Koexistenz möglich wird.

Jakob lernt die Lektion, dass Gott für ihn sorgt und ihm das gibt, was er braucht und so übersieht er etwas ganz Entscheidendes – es ist ein Lernprozess dorthin zu kommen. Er bevorzugt seine geliebte Rahel und ihre Söhne sehr und auch seine Söhne müssen erst dahin kommen zu lernen, dass es nicht besonders gut ausgeht, wenn wir uns selbst Recht verschaffen wollen.

Es gibt eine ziemlich aktuelle Studie des deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung, wie zufrieden Menschen mit ihrem Einkommen sind. Es ist sicher nicht überraschend, dass Menschen je höher ihr Einkommen ist, desto zufriedener sind und es ist auch keine Überraschung, dass die Menschen unzufriedener wurden, wenn jemand in gleichem Alter, Geschlecht und Bildung mehr verdiente. So sind wir Menschen eben!

Nicht umsonst gibt es den Spruch vom Gönnen können. Interessant ist in der Studie das dritte Ergebnis. Neid entwickelt sich mit dem Alter. Hermann Scherer führt das in seinem Buch: „Schatzfinder“ sehr schön aus, welche Dynamik sich da entwickelt. Und in der Geschichte von Jakobs Sohn Josef können wir es belegt finden. Menschen sind sogar zu Mord fähig. Nur durch Neid. Nur durch das Gefühl, dass der andere mehr hat. Wie gehen wir damit um? Natürlich war es falsch von Jakob seine Kinder so unterschiedlich zu behandeln und damit diesen Konflikt heraufzubeschwören. Es wird zum charakterlichen Test für alle Beteiligten. Es war jedoch auch falsch von den Söhnen deshalb den Bruder beseitigen zu wollen. Es wäre sehr wohl richtig gewesen den Vater anzusprechen, das Unrecht beim Namen zu nennen. Wenn wir so etwas tun, so ist es nicht verkehrt. Es ist richtig Unrecht nicht zu verschweigen und ehrlich zu sagen, was in unseren Augen falsch läuft. Was hier aber bei beiden nicht richtig ist, ist die Art, wie sie es in die Hand nehmen: Jakob durch Betrug und die Brüder von Josef durch Gewalt.

Das zu begehren, was der andere hat, meint nicht, dass uns etwas gefällt, was dem anderen gehört. Es meint, das „Pläne – schmieden“ um es ihm wegzunehmen.

Hermann Scherer zeigt die beiden Wege auf in seinem Buch, die wir haben, wenn wir feststellen, dass etwas, was der andere hat auch uns gut gefällt. Viele junge Menschen können mit diesem Gefühl nämlich richtig gut umgehen, sie sehen es als Ansporn und Möglichkeit etwas zu erreichen und freuen sich über den Erfolg von anderen. Wir können also den unbequemen Weg gehen und Weiterbildungen besuchen, sparen und uns anstrengen. Die billige Methode ist nach Hermann Scherer, dass wir andere kritisieren, lächerlich machen und hetzen. Seiner Meinung nach ist die zweite Methode die übliche bei uns.

Sehr weit sind wir in unserer Zivilisation nicht gekommen. Es gibt ein sehr schönes Zitat von Hermann Scherer: „Die Welt wird erst dann wahren Frieden erfahren, wenn Eltern in der Lage sind, ihren Kindern wirkliche Liebe zu geben.“

Was aber ist wirkliche Liebe? Der Grat zwischen Verwöhnen und zu sehr disziplinieren ist schmal. Wie können wir unsere Kinder lehren die Freude am Erfolg des anderen zu behalten. Wie lernen sie, dass sie genug haben, auch wenn sie teilen? Nur, indem wir es ihnen zeigen. Nur, indem sie es sehen und erleben. Nur, indem sie es tun. Vielleicht ist das wahre Liebe, ihnen zu zeigen, wie man liebt und gibt.

Aber das müssen wir selbst oft erst lernen. Deshalb ist in die Josefgeschichte eine Geschichte über einen älteren Bruder eingeschoben. Juda lernte das Lieben auf eine berührende, schmerzhafte aber auch schöne Art und Weise. Und so wird er auch zum Anführer zu einem Leiter, zu einem Retter seiner Brüder, zu dem, der alles wieder ins Lot bringt: weil das die vielleicht wichtigste Eigenschaft eines Leiters ist: lieben.

Liebe und Fürsorge statt Neid und Hass. Recht und Gerechtigkeit statt neues Unrecht.

Ich wünsche uns von Herzen, dass wir alle solche Menschen werden, die für andere einstehen, anderen Erfolg und Gutes gönnen, uns ausstrecken nach dem, was wir erreichen können, uns anspornen lassen und nicht betrügen oder manipulieren oder hetzen und klein machen.

Ich wünsche mir, dass Menschen sich bei mir sicher genug fühlen um mir ihre Pläne und Freuden anzuvertrauen.

Ich wünsche mir, dass wir teilen und lernen, dass wir immer noch genug haben, dass wir sehen, dass Gott für uns sorgt und wir mit ihm auch über unsere Wünsche sprechen können. Möge Gott dich mit Segen überschütten und dich zu einem liebevollen Anführer machen, einem, der vorangeht und anderen beibringt, wie Liebe und Fürsorge geht. Josef wird zu einem Mann, der die Nation durch eine schwere Hungerkrise führt, der darauf achtet seine Söhne nicht unterschiedlich zu behandeln und so eine Abkehr vollzieht zu dem Muster seiner Familie. Auch bei uns kann es nötig sein bewusst einen neuen Weg einzuschlagen. Josef hat Erfolg dabei und seine Söhne bleiben Freunde. Deshalb segnen wir unsere Söhne an jedem Freitag Abend mit dem Segensspruch: „Mögest du werden wie Ephraim und Manasse. “

Mögest du dich geliebt fühlen. Mögest du entdecken, dass du dich nicht vergleichen musst. Mögest du aufwachsen in dem Bewusstsein Licht und Leben und Freude in diese Familie gebracht zu haben. Mögest du die anderen akzeptieren. Mögest du die Andersartigkeit der anderen schätzen. Mögest du genug haben und zufrieden sein. Mögest du die anderen als Ergänzung und nicht als Konkurrenz betrachten.

Sei gesegnet!

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