Bye 2023…

Das alte Jahr neigt sich dem Ende zu. Es sind nur noch wenige Tage und dann werden wir ein neues Jahr beginnen. Aber es ist noch einiges zu tun:

Zeit, aufzuräumen und zu sortieren und Platz zu machen für all das Neue, was uns erwartet. Den Ballast abzuwerfen, die Juwelen des Jahres herauszusuchen, das ist eine schöne Übung für das Jahresende.

12 Monate waren uns geschenkt, 365 Tage – wie habe ich sie genutzt? Habe ich etwas besser gemacht als 2022?

Habe ich die schönen Dinge gesehen, beachtet, genossen? Habe ich geteilt, die Freude, das Leid, die Wunder?

Zuerst gab es einige Abschiede, die zu bewältigen waren. In Ruhe und Frieden durften wir Abschied nehmen von meinem Schwiegervater zu Beginn des Jahres.

Dankbar blickte ich zurück auf lustige und schöne Erlebnisse mit ihm. Er war ein sehr bodenständiger Mann. Einmal hat er mich begleitet zu einer Weiterbildung für Kosmetikerinnen. Er wollte sich die Stadt ansehen. Irgendwann wurde es ihm zu langweilig und er kam in das schickimicki Hotel und mischte ich ohne Scheu unter all die Kosmetikerinnen. Ich genoss das Schauspiel und seine Fragen. Es war wunderbar.

Als unsere Katze angefahren wurde, begleitete er mich zur Tierärztin. Staunend und kopfschüttelnd besah er sich die Plakate über Akupunkturpunkte der Katze. Für ihn war die Frage: „braucht die Katze eins mit dem Spaten übers Genick oder wird die noch mal“. Das wiederum war für die Tierärztin etwas befremdlich.

Es gab viele solcher Erlebnisse, wo mich seine Nüchternheit wohltuend geerdet hat. Wenn im Luxus – Hotel die Kosmetikerinnen über ihren Umsatz prahlten und Kaviar – Behandlungen anpriesen und die Gucci – Tasche schwenkten, stand er einfach völlig unbeeindruckt da und fragte, wozu das gut ist und ob das sein müsse. Das ist die Eigenschaft, die ich auch bei meinem Mann am meisten brauche. Sie sind nicht so schnell zu beeindrucken. Da reicht nicht ein Label und Getue. Für solche Menschen ist Frieden und Freundschaft und Treue und Fleiß wichtig. Sie helfen uns zu vertiefen und Wichtiges zu erkennen.

Ich bin dankbar für Menschen in meinem Leben, die mich ergänzen, die mir helfen Blickwinkel zu entdecken, die mir bis dahin unerreichbar waren. Die meinen Horizont weiten, mir interessante Dinge zeigen und mich wachsen und lernen lassen. Mein Schwiegervater war so ein Mensch.

Wenige Tage nach ihm starb unsere Katze.

Sie war noch jung, bekam aber eine Autoimmunkrankheit. Auch Tiere gehören zu unserem Leben dazu. Wir freuen uns an Tieren und ihrem Spiel. Sie sind Teil unseres Lebens und Teil der Schöpfung und wir leiden, wenn es ihnen schlecht geht oder sie sterben. Ein weiterer Abschied zu Beginn des Jahres 2023.

Auch meine Arbeitsstätte schloss ihre Türen. Zuvor hatten wir uns schon von unserer Teststelle im Kaliwerk verabschiedet. Nun schloss auch in Wolmirstedt die Teststelle.

Es war eine schöne Zeit trotz allem. Wir hatten ein super Team und teilten manchen Schmerz. Gestern traf ich beim Einkaufen eine Frau, die lange Zeit täglich zum testen kam, damit sie ihren Mann besuchen konnte. Er war unglaublich schwer erkrankt. Es war eine so schwere Zeit für die ganze Familie und sie vergoss bei uns im Testzentrum so manche Träne. Gestern sah ich sie. Und hinter ihr ging ihr Mann. Er hatte es geschafft! Durch die Liebe seiner Frau, die Fürsorge seiner Familie und doch bekannte sie: es ist ein Wunder! Es ist für die Ärzte klar gewesen: das ist ein Wunder. Das schafft nur einer von hundert.

Und so stehen wir ziemlich demütig vor diesen Wundern des Jahres 2023.

Ein liebevolle Familie, Gesundheit, ein warmes Haus, genug zu essen, Freunde und Nachbarn und die Hörer meines Podcasts, meine Leser, das alles sind Wunder für mich, die ich gar nicht erfassen kann. Ich kann dafür danken. Ich hatte und habe soviel Grund zum Danken in diesem Jahr wieder.

Am dankbarsten bin ich immer direkt nach der Landung. Fliegen wird wohl keins meiner Hobbys. 😉

Reisen, entdecken und probieren aber schon. Wir haben Israel bereist und Polen, Neues in Deutschland entdeckt und neue Menschen kennengelernt. Alte Beziehungen sind tiefer geworden durch neue gemeinsame Erlebnisse, neue Menschen kamen dazu. Manches wurde auch lockerer.

Ich habe neue Arbeit gefunden, neue Aufgaben und neue Kollegen.

Es ist ein bunter Strauß an Leben, der uns geschenkt wird.

So bunt wie der antiquarische Bücherladen unter unserem Airbnb in Jerusalem. Der alte Mann, dem es gehörte, wusste genau, welche Bücher er hat, wo sich welches Buch befindet. Für mich ein weiteres Wunder. Wie ist mein Leben sortiert? Oft kommt es mir genauso vollgestopft vor, wie der Buchladen. Habe ich den Fokus noch auf den wichtigen Dingen? Weiß ich noch, was ich alles habe? Ist einiges vergessen worden?

Die Lücken im Leben bleiben meist ungefüllt. Es gibt keinen neuen Schwiegervater. Die neue Katze ist ganz anders als die Alte – sowohl in der Art als auch im Aussehen. Niemand kann unsere Lücke füllen. Die Lücke, die wir manchmal schon zu Lebzeiten lassen. Wenn wir unseren Platz nicht ausfüllen, unsere Bestimmung nicht leben. Jeder, selbst eine Katze, ist einzigartig.

Lebe ich? Das bloße existieren wird diese Lücke nicht füllen.

Unsere Zeit ist leer an Werten, an Idealen, an Vorbildern, an Wärme, an Treue. Eine von mir sehr geschätzte Lehrerin sagte einmal:

„Einst bestand die Vereinbarung, dass Erziehung im Elternhaus geschieht und Bildung in der Schule. Dieser Vertrag wurde einseitig aufgekündigt.“

Sie hat absolut recht. Viele Eltern erwarten heute auch noch die Erziehung von der Schule. Und mit manchem, was die Schule in die Köpfe meiner Kinder pressen will, bin ich auch nicht einverstanden. Unsere Kinder brauchen Prägung, sei brauchen Vorbilder. In der Politik sind die momentan nicht zu finden. Da haben wir Korruption und Lüge und Wendehälse, wie ich sie seit 1989 nicht mehr gesehen habe. Wir haben keinen Ansporn mehr für Fleiß und Treue, für Arbeit und Integrität. Bedeutet Leben nicht immer auch Verantwortung? Was ist, wenn Menschen, die verantwortlich sind, sich weigern Verantwortung zu übernehmen?

Das belastet uns, aber es fordert uns auch heraus. So ist der Frust von 2023 auch gleichzeitig Aufgabe für 2024. Was lasse ich zu? Was lasse ich durchgehen? Was ist davon vielleicht in meinem eigenen Leben? Wie bringe ich gute Werte in eine Welt, wo das längst unmodern geworden ist?

Was ist mein Ziel? Wenn ich möchte, dass meine Kinder zu verantwortlichen, klugen, mitfühlenden, freundlichen und fröhlichen Menschen werden, MUSS ich dagegen protestieren, wenn die Schule sie mit Buchinhalten über Gewalt, Hexerei, Macht und Dunkelheit füllen will. Es ist nicht egal, mit was ich den Geist der Kinder füttere. Wieso erwarten wir, dass tolle Menschen herauskommen, wenn wir zulassen, dass die Kinder solche Bücher lesen und Filme gucken, die solche Inhalte haben? Das kann nicht gut gehen. Niemals. Eigentlich wird man schon kein fröhlicher Mensch, wenn man Nachrichten konsumiert. Aber das lässt sich manchmal nicht vermeiden. Was sind die guten Inhalte, die wir zum Ausgleich zu uns nehmen?

Schaffen wir es unsere Köpfe zu behüten mit bunten Schirmen der Dankbarkeit und der Freude, des Interesses und der Freundlichkeit, der Treue und der Ehre?

Benjamin Franklin suchte sich 13 wichtigste Tugenden, von denen er täglich eine studierte um sie auszuleben, stärker zu werden in diesem Bereich. Und wenn er das nötig hatte, da aktiv gegenzusteuern, dann doch wir erst recht, oder?

Benjamin Franklin wählte: Mäßigung, Verschwiegenheit, Ordnung, Entschlußkraft, Genügsamkeit, Fleiß, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Bescheidenheit, Reinlichkeit, Gelassenheit, Keuschheit, Demut.

Was wäre für uns wichtig zu vertiefen, zu entwickeln? Ist unser Lebensstil so, dass er uns auch im neuen Jahr gut tun wird? Ich bin nicht mehr die „Alte“. Ich bin nicht mehr so wie vor einem Jahr und das ist gut so. Ich möchte mich entwickeln, durch Erlebnisse geprägt werden und lernen aus dem, was ich gehört, gelesen, gesagt und getan habe. deshalb ist es so wichtig, dass wir diese Dinge sorgsam prüfen: sie werden ein Teil von uns.

So sortieren wir das alte Jahr und stellen gleichzeitig die Weichen für das neue. Willkommen 2024! Willkommen neues Ich. Willkommen Leben.

Danke 2023. Danke an all die Menschen, die für mich da waren. Danke an all die wunderbaren Momente, die ich genießen durfte. Danke für Feiern und Reisen und Essen und Gemeinschaft. Danke für Lachen und Weinen und Bücher und Tee und Schokolade. 2023 war ein gutes Jahr meines Lebens. Danke Gott, dass es soviel gibt, was ich nicht erleben musste. Ich habe viel Gutes geschenkt bekommen und es wurde viel Schlechtes von mir fern gehalten.

Wie war dein Jahr 2023? Lass es mich in den Kommentaren wissen! Ich wünsche dir mindestens ebenso viel Grund zu Dankbarkeit, viel schöne Erinnerungen und einen wunderbaren Start in ein neues Jahr! Ich wünsche dir viel Segen und Gesundheit und ganz viel Freude!

Hinterlasse einen Kommentar